Shiatsu kam aus Japan zu uns nach Europa. Aber bevor wir nach Japan blicken, machen wir einen Schwenk nach China.
Die traditionelle chinesische Medizin (kurz TCM) ist eine Heilkunde, die sich vor mehr als 2000 Jahren in China entwickelt hat und im ostasiatischen Raum Verbreitung fand. Besonders in Japan, Vietnam und Korea.
Das heißt nicht, dass diese Medizin veraltet ist. Im Gegenteil, sie wächst und entwickelt sich mit der Menschheit mit. Denn, die äußeren Einflüsse und Anforderungen ändern sich stetig. Denken wir daran, dass der Mensch noch vor geraumer Zeit meistens zu Fuß unterwegs gewesen ist. In der Gegenwart verbringen wir die meiste Zeit im Sitzen. Stress, ungesunde Ernährung sowie Bewegungsmangel fordert die Medizin auf eine andere Weise als noch vor einigen hundert Jahren.
Die traditionelle fernöstliche Gesundheitslehre sieht den Menschen als Ganzes. Diese holistische Sicht beruht auf dem Prinzip, dass Lebewesen immer als Ganzes existieren und nicht als Summe einzelner Teile. So wird der Mensch als Einheit von Körper, Geist und Seele gesehen. Das Leben ist von ständigen Wandlungsprozessen geprägt. Ein gesunder Mensch, lebt mit sich, seiner Umgebung, der Natur und dem Universum im Einklang.
Zurück nach China, wo die angehenden Ärzte nicht nur die Akupunktur und die Kräuterheilkunde, sondern auch manuelle Behandlungstechniken studierten. Nicht zuletzt um die Anatomie und die Verläufe der Meridiane (Energieleitbahnen) und die Lage der Energiepunkte (Tsubos) zu „begreifen“. Daraus entwickelte sich die Behandlungsform Anma.
Statt vom Arzt zum Physiotherapheuten zu gehen, gab es die Anma Körperarbeit meist gleich vor Ort. Nicht nur von den Ärzten am kaiserlichen Hof, sondern ebenso im Hausgebrauch, wo oft in der Familie selbst behandelt wurde.
Im Laufe der Jahre verlor die Anma Massage immer mehr an therapeutischer Bedeutung und wurde vor allem in Badehäusern zur Entspannung und zur Lustgewinnung angeboten. So war der gute Ruf bald ruiniert!
Japan 1919. Tenpeki Tamai erfand den Namen Shiatsu (übersetzt: Fingerdruck) für die therapeutische Anwendung traditioneller Manualtechniken. Er verfasste ein Buch für Jedermann zur Selbstbehandlung. Dieses sollte die Gesundheit fördern und Krankheiten vorbeugen und heilen. Tamai war der Meinung: “ in everbody´s home should be one copy!“ Ob sich diese Aussage auf die Tipps zur Erhaltung der Gesundheit bezieht oder zu Marketingzwecken diente, werden wir nicht mehr heraus finden können. Fest steht, dass
Tokijio Namikoshi (1905-2000) der, bis dahin bestehenden traditionellen chinesischen Behandlungstechnik eine neue Form gab. Mit dem zusätzlichen Einfluss aus dem westlichen Konzept der Anatomie und Physiologie, sowie der Chiropraktik in Verbindung mit der fernöstlichen Energielehre. Er gründetet die erste lizensierte Schule für Shiatsu. Diese neue eigenständige Form der Körperarbeit war nun anerkannt und erlangt 1964 einen festen Platz als Therapieform im japanischen Gesundheitssystem.
Schüler Namikoshi´s brachten Shiatsu dann hinaus in die Welt. Einige entwickelten aus der ursprünglichen Form des Shiatsus eigene Stile und Varianten. Die weit verbreitetste in Europa ist jedoch Iokai-Shiatsu von Shizuto Masunaga.
Shizuto Masunaga (1925 – 1981) wurde die Körperarbeit quasi in die Wiege gelegt. Seine Mutter arbeitete bereits mit der ursprünglichen Anma Körperarbeit. (allerdings sicher nicht im Badehaus 😉) Er erwarb seine Qualifikation 1959 an der japanischen Shiatsu-Fachschule von Namikoshi Sensei wo er auch viele Jahre als Lehrer tätig war.
Ebenso arbeitete er als Psychologe und hatte einen Lehrstuhl an der Universität von Kyoto inne. Bedingt durch diese Arbeit, integrierte er philosophische und psychologische Aspekte in seine Shiatsu-Arbeit.
Seine Forschungen im Bereich chinesische Medizin und Shiatsu waren von dem Willen beseelt, einen theoretischen Ansatz zu entwickeln, mit welchem Shiatsu in die westliche Medizin integriert werden kann.
Ich habe Masunaga Sensei persönlich leider nicht kennen gelernt, da er 1981 verstorben ist. Dass er ein sehr interessierter und wissbegieriger Mensch gewesen sein muss, liegt für mich auf der Hand, denn eine seiner wesentlichen Errungenschaften war die Erweiterung des klassischen Akupunktur-Meridiansystems, welches aus insgesamt 12 Hauptmeridianen besteht:
6 Meridiane, welche in den Fingern beginnen bzw. enden (Lunge, Dickdarm, Herz, Dünndarm, Perikard, Dreifacher Erwärmer), bzw. 6 Meridiane, welche in den Füßen beginnen bzw. enden (Niere, Blase, Magen, Milz, Gallenblase, Leber),
Er entwickelte diese Hauptmeridiane für die Shiatsu-Arbeit weiter, mit dem Verlauf jeweils über den gesamten Körper. Die einzelnen Akupunkturpunkte stehen für ihn nicht so sehr im Vordergrund, sondern immer der gesamte Meridian als solches.
Nebenbei bemerkt, die respektvolle Anrede Sensei kommt aus dem Bereich der japanischen Kampfkünste (Budō bzw. Bujutsu) und gebührt höheren Dan-Trägern, welche eine lehrende Position haben. Im engeren Sinn bedeutet die Bezeichnung „Lehrer des Wegs“ (jap. Dō).
Japan – Europa – Wien – Perchtoldsdorf
Diese Behandlung der Meridiane wurde durch seine Schüler weitervermittelt. Einige der Schüler Masunaga´s haben eigene Arten von Shiatsu entwickelt, die sich deutlich vom ursprünglichen Shiatsu, wie es Masunaga praktizierte, unterscheiden. Die in Europa bekanntesten sind Ōhashi Wataru, Sasaki Pauline, Saitō Tetsurō, Endō Ryokio und Kishi Akinob.
Nebenbei bemerkt: Ohasi Sensei durfte ich in Wien einmal persönlich kennenlernen. Ein kleiner älterer Herr, dessen Lebensfreude und Lachen extrem ansteckend ist!!
Shizuto Masunagas Arbeit ist allerdings eine Grundlage des heutigen Shiatsus. Einer seiner Schüler war Kazunori Sasaki, der begeistert von Masunagas Methode, sieben Jahre bei ihm lernte.
Sasaki Sensei entwickelt seit 1981 Iokai Meridian Shiatsu in Europa weiter und ist Präsident der E.I.S.A., der Europäischen Iokai Shiatsu Assoziation in Genf. Heute unterrichtet er die traditionelle Iokai Methode in Holland, Frankreich, Deutschland, Italien, Österreich und der Schweiz.
Er vermittelte sein Wissen sicher ungezählt vielen Menschen. Eine davon war Christine Jachs welche ein fixer Bestandteil des großartigen Lehrerteams in der Shambala Shiatsu Schule Wien war, wo ich 2005 als Shiatsu Praktikerin diplomierte.
Warum ich mich 2002 für die Ausbildung entschieden habe, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr so genau. Ich war prinzipiell sehr an der Traditionellen Chinesischen Medizin interessiert. Eine Freundin erzählte mir von Shiatsu und anstatt diese Körperarbeit einmal auszuprobieren, habe ich mich nach dem Infoabend einfach gleich für die 3-Jährige Ausbildung entschieden. Da war dieses sichere Gefühl: hier bin ich richtig!
In keiner Sekunde habe ich bisher diese Entscheidung bereut. Im Gegenteil die Faszination am „System Mensch“ nimmt stetig zu.
Obwohl sich aus Anma so viele unterschiedliche Shiatsu Ansätze entwickelt haben (und stetig weiterentwickeln) wird es ein grundlegend verbindendes Element immer geben:
Die achtsame Berührung eines Menschen zur Aktivierung der Selbstheilungskräfte um die Gesundheit zu erhalten.
Und das, wird sich hoffentlich nie ändern.
Für diesen Blog habe ich zusammen getragenes Wissen aus Erzählungen, Büchern und dem Internet verwendet. Bei meiner Recherchearbeit bin ich auf meinen belgischen Kollegen Ivan Bel gestoßen, der sich grossartiger Weise mit der Geschichte von Shiatsu aueinandersetzt und an der Übersetzung einiger alter Shiatsu Werke arbeitet.
JETZT BIST DU NEUGIERIG GEWORDEN? Dann probiere eine Shiatsu-Behandlung einfach aus und bilde dir deine eigene Meinung. Vereinbare einen Termin bei pinos.fit unter 0660 65 88926 oder office@pinos.fit
only good vibes, from Katharina